Wasser unter’m Kiel
feixx 21. Dezember 2009
Am nächsten Tag geht es los.
Wir müssen mit der ganzen Ausrüstung zur Parkregistratur. Die Söhne von Lothar Becker fahren uns und die Kanus dorthin. Dort passieren drei Sachen:
Das Kanu wird gewogen, man bekommt einen Film gezeigt, wie man sich zu verhalten hat und man wird registriert, damit die Parkleute am Ende der Saison einen Strich unter die Sache machen kann, um zu sehen wie viele Greenhorns es nicht geschafft haben.
Das Wiegen war die erste Hürde:
Unser Kanu ist viel zu schwer: 27 Kilo. Wir entscheiden uns spontan dazu das gesamte Wasser aus zuschütten. Er erscheint uns logisch, dass wir noch irgendwo welches finden werden. Whisky dann wohl eher weniger.
Apropos Wasser:
Ohne geeignete Maßnahmen ist das Wasser hier nicht ungefährlich. Ein Parasit treibt hier sein Unwesen: “Giardia Lamblia”. Das Abkochen bzw. die Desinfektion des Trinkwassers ist daher Pflicht.
Dann: Der Film!
Er ist sehr interessant und handelt hauptsächlich vom richtigem Umgang mit Bären.
Schon bei einem Kaugummi im Zelt sollte man sich nicht wundern, wenn Meister Petz mal vorbei schaut und mitkauen möchte. Und ganz, ganz schlecht sind übrigens Lebensmittel, die gut und weit ins Land hinein riechen: Speck, Zwiebeln, Knoblauch und Salami. Knoblauchsalami wurde nicht genannt, nicht explizit.
Kochen darf man, aber vorsichtig im Windschatten. Dann soll man die Kleidung, mit der man gekocht hat ebenfalls mit in den Bärenschrank packen, die es überall auf den ausgewiesenen Campgrounds gibt, weil die ja auch müffelt – ist ja klar. Und: „A fed bear, is a dead bear!!“.
Das heißt: Hat ein Bär erst einmal die Vorzüge der menschlichen Bekanntschaft bzw. seines Proviantes gemacht, muss man ihn erschießen. Ein Bär ist nämlich sehr clever und würde immer wieder die menschliche Nähe suchen.
Drei Deutsche schlucken leicht, nachdem das Licht wieder angeht. Aber eigentlich schlucken alle im Raum, es gibt eh keinen Weg mehr zurück.
Der Abmarsch:
Die Registratur lässt die Leute wie an einer Perlenschnur in den Park eintröpfeln. Immer soll eine halbe Stunde zwischen den einzelnen Gruppen liegen.
Wir dösen vor uns hin, und bis wir schließlich dran sind, beginnt es zu regnen. Die Kanutour beginnt mit einer Portage zum „Kibbee Lake“. Dieser See ist der wohl am wenigsten bedachteste Lake der Bowron Lakes.
Jeder hastet darüber und er ist ja wirklich auch nicht groß. Danach kommt noch eine Portage, die zum „Indianpoint Lake“ führt. Hier drubellt sich alles, was mühsam halbstündlich in die Wildnis entlassen wurde.
Überall qualmen Lagerfeuer. Wir müssen hier ebenfalls übernachten, es ist schon spät. Etwas enttäuscht von der Campingplatzatmosphäre lauschen wir den verschiedenen Gesprächen an den Lagerfeuern. Wir hören die Geräusche von Bierdosen, die geöffnet werden und laute Gesprächsfetzen mischen sich darunter.
Den nächsten Tag lassen wir es langsam angehen. Wir lassen erst einmal alle weiter ziehen und überqueren lediglich den halben Indianpoin Lake. Dort schlagen wir unser Lager wieder auf und angeln ein wenig.
Am Horizont verschwinden die letzten Kanus der Anderen und dann beginnt sie: Unsere wirklich erste Nacht im kanadischen Urwald! Den Campground haben wir für uns allein und bis zum Ende des Isaak werden wir auch niemandem mehr begegnen.
Georg, der Meister der Persenning, spannt uns etwas Trockenheit über das Lagerfeuer. Der „Bear Cache“ steht ca. 30 Meter von den Zelten entfernt. Es ist ein Stahlschrank, den man nur mit Menschenhänden aufmachen kann. Tatzen haben da keine Chance.
Unser „Bear Cache“ hier steht etwas windschief im Wald und vier parallele Rillen durchziehen den Lack an mehreren Stellen. Wir packen den Schinken hinein, und die Salami, und überhaupt schauen wir uns sehr häufig um.
Der Wald beginnt direkt hinter unserem Rücken. Mit dem sauerländer Wald, den wir kennen, hat dieser nichts zu tun.
Dann gießt es wie aus Kübeln. Georgs Persenning ergibt eine gute Trommel.
Unter dem Dauerprasseln der Plane schlafen wir die erste Nacht im Bärenland.
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