Spectacle und Swan Lake

feixx 26. Dezember 2009

Die nächste Etappe ist auch nur kurz.
Wir paddeln durch den „Babcock“, nehmen die Portagen und sind schon am Vormittag an dem zweiten Campground des „Spectacle Lake“.
Dieser Campground ist etwas besonderes.
Er liegt auf einer Halbinsel und ist durch eine Untiefe mit dem anderen Seeufer verbunden.
Wir haben auf der anderen Seite der Bowron Lakes nur wenige Tiere gesehen.
Hier ist das vollkommen anders. Schon am Eingang des “Spectacle Lakes“ begegnen uns zwei Elchkühe.
Und hier auf der Halbinsel ist der ganze Strand voller Spuren.

Spectacle Lake

Wir entdecken Abdrücke, die an große Katzenpfoten erinnern. Außerdem sehr große Hufspuren, wie sie Elche hinterlassen. Etwas weiter im Wald entdecken wir Eichhörnchen und auch kleine Schlangen. Überall schwirren Insekten uns unbekannter Arten durch die Luft.

Ebenfalls nicht weit entfernt entdecken wir einen prächtigen Fischadler, der auf einer großen Tanne hockt.
Den ganzen Nachmittag verbringen wir damit mit dem Kanu herum zu fahren um die Umgebung zu beobachten. Leider ist meine Spiegelreflexkamera zu empfindlich, um sie im Kanu mitzunehmen. Das Wetter ist seit Tagen sonnig und warm. So wird es auch bis zum Ende dieser Tour bleiben.

Frank und Georg sind dann auch nach Einbruch der Dunkelheit in den Zelten verschwunden und so sitze ich noch etwas allein am Lagerfeuer.

Die Nächte hier draußen sind absolut etwas besonderes. Tiefschwarze Dunkelheit beginnt dort, wo der Feuerschein des Lagerfeuers endet. Der Himmel ist in den Neumondnächten voller Sterne und man kommt automatisch ins Grübeln angesichts der Weite, die sich einem hier offenbart.

Plötzlich merke ich, dass sich etwas nähert.
Es ist groß und schwer, denn der Strand vibriert ganz leicht.
Dann höre ich ein lautes Platschen in den Untiefen – etwas kommt vom anderen Seeufer auf uns zu.
Meine Freunde kann ich nicht rufen, denn die schlafen schon tief und fest im Zelt. Außerdem bin ich mir überhaupt nicht sicher, wie ich mich verhalten soll. Kann man „ES“ verscheuchen?

Wir habe uns von der Becker’s Lodge Bärenspray ausgeliehen. Das ist wie ein Pfefferspray, nur wesentlich größer. Die Dose hat auch wesentlich mehr Druck und somit eine viel größere Reichweite. Dennoch muss man das Tier sehr nah an sich heran kommen lassen, damit die Wirkung nicht verfliegt.
Außerdem tragen wir tagsüber Bärenschellen an der Kleidung. So verursacht man immer Geräusche und macht sich bemerkbar. Die meisten Tiere ziehen es nämlich vor, den Kontakt mit Menschen zu vermeiden.

Was jetzt auf uns zukommt möchte uns aber offenbar nicht vermeiden, denn auch nachdem ich deutlich hörbar in der Tonne nach dem Bärenspray gesucht habe, kommt es näher. Dann höre ich ein Geräusch, dass ich heute schon einmal gehört habe: Das Äsen eines Elches. Wir haben heute Nachmittag einen vom Kanu aus beobachtet.
Sie äsen unter Wasser und wenn sie ihren Kopf erheben, läuft eine unglaubliche Menge von Wasser aus ihrem Maul.

Dann sehe ich die riesigen Umrisse des Tieres, das im Lichtschein des Feuers noch gespenstischer wirkt. Und was ich noch sehe lässt mich nicht ruhiger werden, denn die Kuh wird von einem Kalb begleitet.
Langsam mache ich die Tonnen dicht und ziehe ich mich ins Zelt zurück, denn Elchkühe mit Kälbern können sehr unangenehm werden, wenn sie sich bedroht fühlen.
Ich habe die mächtigen Hufabdrücke noch vor Augen und habe überhaupt keine Lust die Aufmerksamkeit eines ca. 600kg Tieres auf mich zu ziehen.

Im Zelt liegend höre ich sie die ganze Nacht äsen und wie sie zwischen den Zelten die Weidegründe wechselt.
Erst in der Dämmerung ziehen sie weiter und ich finde etwas Schlaf.

„He! Aufwachen Faulpelz!“  – Georg und Frank sind ausgeschlafen.
Sie haben von dem nächtlichen Besuch nichts mitbekommen.
Ich kann sie auch nur anhand der Spuren der Tiere überzeugen, dass sie überhaupt da waren.

Wir schippern langsam den lang gezogenen „Spectacle“ herunter und er macht, nicht nur wegen der nächtlichen Begegnung, seinem Namen alle Ehre.
Wir treffen auf eine überwältigende Landschaft. Weite Wälder auf sanften Hügeln prägen die Landschaft.
Wir erreichen unsere letzten Rastplatz vor der Rückkehr zur Becker’s Lodge.
Dieser bietet noch einmal etwas ganz besonderes: Er hängt voll von selbst geschnitzten Paddeln. Wir haben vor ein paar Tagen ein altes Holzpaddel gefunden und schnitze darauf unsere Botschaft: „Macht’s gut – und danke für den Fisch.“ Eine Hommage an Douglas Adams, dem verstorbenen Autor der fabelhaften Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“.

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