Die Lehre des alten Isaak
feixx 21. Dezember 2009
Georg hat ein schlaues Buch mit.
Das Buch handelt von den Lakes und wie sie zu befahren sind.
In dem Buch steht, dass der „Isaak“ nicht zu unterschätzen ist: launisch und nicht berechenbar.
Georg will daher die gesamte Strecke ufernah durch die „Wolverine Bay“ paddeln.
„Na gut. Wir…“, sage ich und meine Frank damit auch, weil er mit im Boot sitzt.
„Wir jedenfalls schnippeln die Landspitze gegenüber der „Wolverine Bay,“ sag ich, “und dann machen „wir“, dir, mein lieber Georg, schon mal einen Kaffee, wenn wir dann da sind.”
Unsere Wasserkanister waren jetzt voll und die Zelte und Schlafsäcke hatten wir in der Sonne trocknen lassen. Wir schauten in die herrliche Landschaft und das obere, kurze “L-Stück” des Isaak lag wie ein Spielgel vor uns.
So machten wir uns auf getrennten Routen auf den Weg. Aus meiner Sicht gab es weit und breit keinen Grund für diesen blöden Umweg, den Georg paddeln wollte.
Auf der Höhe der Landspitze sahen wir von Georgs Kanu nur noch einen kleinen, gelben Strich. Und wir taten dass, was Männer schon mal tun, wenn sie sich überlegen fühlen:
„Da, siehst du ihn? Der Mann mit den Buch! Winken wir ihm zu! Hallo Georg!”

Hinter der Landspitze begannen seltsame Dinge:
Wir bekamen Wind.
Wir bekamen STARKEN Wind.
Wir sahen, dass Wellen auf uns zu kamen, deren Spitzen brachen – Weißwasser, hohe Wellen.
Der Wind sauste urplötzlich das lange Tal des „Isaak“ hinunter und trieb das Wasser vor sich her. All das passiert in Sekunden. Navigation war mal: Wir müssen das Kanu stetig im 90grad Winkel zu den Wellen halten – keine Wende möglich, sonst wären wir gekentert. Und so mussten wir paddeln.
Und wir mussten WIRKLICH paddeln.
Man muss sich das genau vorstellen:
Beide Oberkörper segelten im Gegenwind und bremsten das Kanu fast bis zur Bewegungslosigkeit. Die eisige Gischt trifft das Gesicht. Dazu MUSSTE das Kanu im Kurs gehalten werden.
Ich dachte zwischenzeitlich an Georgs blödes Buch und ob in ihm wohl stehen würde, wie tief wohl der „Isaak“ sein könnte.
In meiner Erinnerung hat es auch noch geregnet, aber gut möglich, dass uns auch nur die Gischt zu schaffen machte.
Wir quälten uns Meter für Meter voran, eingenordet von den Kräften der Natur.
Die Kanuverteilung ist eigentlich so: Der “Motor” sitzt vorn, hinten wird gesteuert.
Aber hier war alles nur chaotisch: PULL, mal rechts, mal links, von dem legendären J-Schlag keine Spur mehr, nur noch die Richtung: Vorwärts, vorwärts, und die Wellen kreuzen.
Und dann kamen wir an, nach einer Ewigkeit. Der ersehnte Campground.
Nur: Wie dort anlanden?
Nach all den Strapazen hatte der „Isaak“ wohl ein Einsehen mit uns und spendierte eine kleine Bucht mit Windschatten.
Georg hatte auch ein Einsehen und uns schon mal einen Kaffee gemacht.
Ich weiß gar nicht mehr, wie viel später wir am Campground waren.
Aber wir waren fix und fertig.Viel habe ich an dem Tag nicht mehr gesagt.
Georg und Frank allerdings auch nicht.
Das Wetter wusste immer noch nicht so recht was es soll und am Abend grollt ein Gewitter mit Wetterleuchten und Donner durch das Tal. Am nächsten Tag präsentieren sich die Bergspitzen in frischem Weiß.
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